Alle Beiträge von astridschollenberger

Die Farben des Lebens – Grün

Die Wiesen standen hoch. Weißblühende Dolden von wilder Möhre und Fenchel tanzten federnd über dem satten Grün der Gräser, bewegt durch einen sommerlichen Wind. Irgendwo dazwischen wuchsen vereinzelt ein paar Schierlingspflanzen.

Oben, vom Felsen herab, hingen Ranken wilder Rosen mit zart rosa Blüten. Der Eingang der Höhle wurde von Brombeerhecken geschützt.

Ein schmaler Gang führte über Geröll tiefer in das Innere. Nachdem sich die Augen an das Dunkel gewöhnt hatten, ging es tastend, aber leicht gebückt gut voran. Es war zugig.

Als der Weg sich schließlich weitete, führte er in einen fast kreisrunden Raum. Ein tiefer Atemzug hob die Brust während der Nacken sich wieder entspannte. Das dämmrige Licht war heller als zuvor und die Luft roch frühlingshaft frisch wie nach einem Platzregen.

Gegenüber, wenige Schritte weiter, quoll Wasser aus der zerklüfteten Wand hervor und bildete ein dünnes Rinnsal. Es sammelte sich in einem kleinen natürlichen Becken. Dichte Polster aus Moos bedeckten die rund gewaschenen Steine.

Von einer Lichtquelle erhellt, schimmerte die Nische grün wie ein Smaragd.

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Der Titel dieses Beitrages geht auf eine Anregung in einem Blog zurück.

Die Farben des Lebens – Orange

Die Tage waren noch sonnig und mild, aber der erste Frost war bereits über das Land gezogen. An diesem Morgen lagen nicht wie zuvor nur Nebelschleier über den Wiesen, die Grünflächen waren fast gar nicht zu sehen, so dicht war der Nebel.

Samtige Feuchte hüllte alle Bäume und Sträucher ein. Der Fluss war bloß zu erahnen und selbst das tiefe Röhren der Schiffssirenen war gedämpft und klang entfernt.

Ein kräftiger Herbstwind hatte die Blätter aus den Kronen geschüttelt. Überall auf dem Weg verteilt lag eine dicke, luftig leichte Decke aus buntem Orange.

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Der Titel dieses Beitrages geht auf eine Anregung in einem Blog zurück.

„Vom Wesen der Stimmungen“

Stimmungen sind dadurch charakterisiert, dass sie den Menschen gleichmäßig durchziehen und „allen seinen Regungen eine bestimmte, eigentümliche Färbung“ verleihen.  Es sind „Grundbefindlichkeiten“.

Demgegenüber sind Gefühle stets auf einen bestimmten Gegenstand intentional bezogen. Sie sind gerichtet. „Jede Freude ist Freude über etwas …“. In diesem Sinne ist auch die Furcht im Gegensatz zur Angst ein Gefühl oder ebenso die Freude im Gegensatz zur Fröhlichkeit. Gefühle sind bereits höhere Leistungen, die aus dem Untergrund der Stimmung hervorgebracht wurden.

Selbst und Welt sind einheitlich gestimmt. Einer Landschaft oder einem Wohnraum sagt man eine bestimmte Stimmung nach und meint damit  „das gemeinsame, Mensch und Welt zusammen umgreifende Durchzogensein von einem bestimmten Stimmungsgehalt.“Außer Seele und Welt ist der Körper als Leib in diese Einheit ebenfalls mit hineinverwoben.

 

Otto Friedrich Bollnow (* 14. März 1903 in Stettin; † 7. Februar 1991 in Tübingen) war der erste Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik und Philosophie als die Johannes Gutenberg-Universität 1946 nach dem Krieg erstmals unter französischer Besatzung wieder eröffnet worden war. Seine Arbeit vom „Wesen der Stimmungen“ hat er geschrieben zum Teil als eine Auseinandersetzung mit der akademischen Schrift von Martin Heidegger „Sein und Zeit“.

Bereits seit 1941 arbeitete Bollnow an einer methodischen Systematik. Aus der Befürchtung heraus den Krieg nicht zu überleben, ist das Buch quasi als „philosophisches Testament“ verfertigt worden.

Bollnow ist sich einig mit Heidegger, dass die Stimmung „als die der Spaltung zwischen Mensch und Welt vorausliegende ursprüngliche Einheit“ zu sehen ist.

Aus der Stimmungslage heraus werden alles Auffassen und Erleben und damit alle höheren Leistungen wie z.B. die Wahrnehmung vorgerichtet. Bollnow formuliert die Existenziale von Gestimmtheit und Verstehen folgendermaßen:

„In jeder Stimmung ist die Welt schon in einer ganz bestimmten Weise ‚ausgelegt’, und durch diese ursprüngliche Auslegung des Lebens und der Welt in der Stimmung wird alles Verstehen im Vorhinein schon geleitet.“

Weiterführende Literatur:
Otto Friedrich Bollnow (1941) Das Wesen der Stimmungen. Frankfurt/Main: Klostermann
Otto Friedrich Bollnow (1983) Otto Friedrich Bollnow im Gespräch. Hrsg. Von Hans-Peter Göbbeler und Hans-Ulrich Lessing. Mit e. Vorwort von Frithjof Rodi. Freiburg i.Br./München: Verlag Karl Alber
Astrid Schollenberger (2003) Grundzüge einer Philosophie der Hoffnung. Die Bedeutung der Krise im philosophischen und pädagogischen Denken von Otto Friedrich Bollnow, London, Turnshare Ltd.
http://turnshare.com/index.php/buchshop/product/38-grundzuege-einer-philosophie-der-hoffnungdie-bedeutung-der-krise-im-philosophischenund-paedagogischen-denken-von-otto-friedrich-bollnow

 

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Die Farben des Lebens – Gelb

An verschiedenen Stellen waren tiefe Furchen in die lehmige Erde gefahren, an deren Grund schwarze und graue Steine in die Wasserpfütze ragten.

Tautropfen hingen an den spitzen Enden der Gräser oder sammelten sich zu dicken Wasserperlen in den großen Blättern der Wildkräuter am Wegrand.

Rechts und links unter dem jungen Grün der Buchenzweige huschten lichte Sonnenflecken einen morgendlichen Tanz.

Nach der Wegbiegung öffnete sich der Wald in eine weite Ebene. Bienen sammelten laut summend Nektar – ein Rapsfeld stand in voller Blüte. Der Blick verlor sich in einem Meer von sonnengelb.

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Der Titel dieses Beitrages geht auf eine Anregung in einem Blog zurück.

 

Die Farben des Lebens – Rot

Das gegrillte Fleisch auf dem Lagerfeuer war gegessen. Ein paar Reste vermischten sich mit Laub und Asche und Erde.

Von den gepflückten Erdbeeren am Waldrand hing noch die Erinnerung in der rechten Nasennebenhöhle.

Die Abendsonne hatte ihren letzten Strahl über die sanften Hügel gegenüber gestreichelt. Sie zog sich zur Nachtruhe zurück in warmes Rot.

Während rundum die Farben in die Erde sanken, knackten die letzten Holzscheite in der kirschroten Glut.

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Der Titel dieses Beitrages stammt nicht von mir, sondern geht auf eine Anregung aus einem Blog zurück.

Bela Hamvas_Gesundheit

„Ich glaube, früher oder später sollte der Begriff der Gesundheit einmal genau bestimmt werden, nicht von Ärzten, sondern von Dichtern und Denkern. Auf die Schulmedizin können wir in dieser Frage nicht zählen. Was man in Kliniken für gesund hält, riecht nach Desinfektion.

Was würdest Du sagen, wenn Du eine schöne Frau küsst und Dir aus ihrem Mund Karbolgeruch entgegenschlägt? Gesundheit ist nicht steril. Gesundheit duftet nach Früchten, sie ist wie ein Muskatellerwein, wie Schwarzer Hamburger, wie Muscat-Otonel. Am ehesten noch gleicht sie dem Apfel, der kanadischen Renette, der Bellefleur, dem Kalvil oder dem Jonathan.

Das Wissen um die Heiligkeit des Lebens beginnt dort, wo die Hierarchie der Speisen endgültige Ausformung findet. Es bräuchte einen Moses, einen Hermes Trismegisto, einen Manura. Einen Orpheus, um dies Hierarchie in ein Gesetz zu fassen. Von Henoch heißt es, er habe die Menschheit mit neuen Speisen bekannt gemacht. Solange unser Speiseplan falsch ist, können wir nicht damit rechnen, dass unser Leben in Ordnung kommt. Und solange unser persönliches Leben ungeordnet ist, können wir nicht damit rechnen, daß die Plagen unserer Welt verschwinden. Und Prinzipien noch weniger. Man kann nicht Kaldaunen essen und zugleich rein leben.

Ich glaube, das allerwichtigste ist die Rehabilitierung des Körpers. Jeder kennt das Grauen vor der Körperlosigkeit. Aber ich kenne niemand, auch keine Frau, der in seinem körperlichen Sein nicht ein schlechtes Gewissen hätte. Entweder man verweigert die Speise oder stopft sich den Bauch voll. Vielleicht auch beides zusammen. Rein und ruhig essen, so wie man zum Beispiel in den großen Büchern liest. So essen, daß man den Zustand der Gnade genießt. Eine pausenlose Früchtestunde. Die Frucht ist der körperlichste Körper. Das Mysterium der Blüte verkörpert sich. Deshalb sagt Novalis, am wilden Baum dufte die Blüte und am veredelten die Frucht. Das ist die Verkörperung. Reifwerden. Reife ist doppelte Jugend. Ripeness is all. Das Corpus. Das Soma. Das Volk. Die Kirche. Die Verwirklichung von Verheißung und Möglichkeit, von Begabung und Fähigkeiten, von Eigenschaft und Individualität.“

Béla Hamvas: (1999) Silentium. Essays. Aus dem Ungarischen von Jörg Buschmann. Herausgegeben von Gerhard Wehr. Grafing bei München: Edition Marika Marghescu

Mehr Informationen zu Biografie und Geschichte von Béla Hamvas (1897-1968):

http://www.philosophie.uni-mainz.de/blondel/B%E9la_Hamvas.htm

http://www.hamvaskarneval.mediatransform.de/Der_Autor/der_autor.html

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Bela Hamvas_Seele

„Zum Glück ist die Seele anders als der Körper. Wenn jemand mit Klumpfüßen oder taubstumm zur Welt kommt oder zu Lebzeiten zum Krüppel wird, vermag menschliche Macht daran nichts zu ändern. Das Reich der Seele ist anders. Jedermann wird mit gesunder Seele geboren, und diese Gesundheit kann er nie verlieren. Von Defekten seiner Seele kann jeder genesen. Dazu ist noch nicht einmal ein Wunder nötig.“

[…]

„Jede Seele wird als Ganzes geboren und kann Ihre Ganzheit nicht verlieren. Sei klug, hol Dir Deine Ganzheit zurück.“

Béla Hamvas: (1999) Philosophie des Weins. Grafing bei München: Edition Marika Marghescu

Mehr Informationen zu Biografie und Geschichte von Béla Hamvas (1897-1968)

http://www.philosophie.uni-mainz.de/blondel/B%E9la_Hamvas.htm

http://www.hamvaskarneval.mediatransform.de/Der_Autor/der_autor.html

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Bela Hamvas_Wein und Edelstein

Die wenigen ins Deutsche übersetzten Werke des ungarischen Philosophen und Schriftstellers Béla Hamvas sind voller Lebensweisheit, wunderschön, sinnlich,  hoch komplex, philosophisch und mythisch zugleich.  Dabei verwendet er eine einfache, direkte, humorvolle Sprache. Es gibt wenige Bücher, die ich nach Jahren aufschlage und sie haben die gleiche Faszination wie beim ersten Lesen. Mehr noch, neue Ebenen und Schichten treten zu Tage.

Ich habe erfahren, dass die Übersetzungsarbeiten an seinem großen Werk „Karneval“ immer noch voranschreiten. Es gibt nun mehr 1102  von insgesamt 1500 Seiten in deutscher Sprache. Dies nehme ich zum Anlass, ein paar seiner Gedanken vorzustellen:

aus „Philosophie des Weins“ geschrieben 1947

„Jetzt möchte ich über eine meiner schönsten Weinmeditationen sprechen. Es geschah in den Gärten von Berény. Vor einem Keller saß ich unter einem großen Nußbaum auf einer steinernen Bank und schaute auf den See.

[…]

An den Weinstöcken reiften bereits die Trauben. Hier Riesling. Dort Silvaner. Da Otello. Burgunder weiß wie Honig, Portugieser. Wie seltsam dachte ich da, daß all die vielen Inkognito-Erscheinungen das Eine sind, aber ihr Wert besteht gerade darin, daß eine jede unnachahmlich sie selbst und nichts anderes ist. Die Trauben und die Weine gleichen Edelsteinen. Sie sind Offenbarungen des einzigen Einen. Doch jede ist eine andere spirituelle Essenz des Einen. Ich begann, den Smaragd, den Rubin, den Topas, den Amethyst, den Karneol, den Diamanten mit den ihnen entsprechenden Weinen zu vergleichen, und ich leugne nicht, daß mir bei diesem Tun die Frauen außerordentlich hilfreich waren. Wie immer und bei allem, wenn ich über die grenzenlose Vielfalt der spirituellen Essenzen grübelte. Die Edelsteine sind nichts anderes  als  Frauen und Mädchen, Inkognito-Erscheinungen; von ihrer Schönheit bewahren sie sich nur diese eine Eigenschaft, den strahlenden Zauber. Aber der Zauber darf nicht im Sinn von Hokuspokus verstanden werden, sondern als natürliche Magie. „

[…]

Jeder Rausch hat seine Wurzel in der Liebe. Der Wein ist flüssige Liebe, der Edelstein ist kristallisierte Liebe, die Frau ist ein lebendiges Liebeswesen. Wenn ich noch die Blumen und die Musik hinzunehme, dann weiß ich, daß diese Liebe in Farben strahlt und singt und duftet und lebt und dass ich sie essen und trinken kann.

Die Alchimisten sagen, der Edelstein  sei nichts anderes als ein reines Geistwesen, das in der ursprünglichen Schöpfung lebte als ein Engel, aber als der Mensch in Sünde verfiel, riß er ihn mit sich in die Materie. Er wurde zu Stein. doch seine strahlende Reinheit behielt er auch als Stein. Diese Theorie deckt sich mit der meinigen, daß in den Weinen und Trauben eigentlich spirituelle Öle stecken, die Genien sind.

So saß ich meditierend in den Gärten von Berény, und als ich mich beim Sonnenuntergang auf den Heimweg machte, gelang es mir, den fruchtbaren Nachmittag mit einer fröhlichen Pointe zu beschließen. Am Weg erblickte ich sogenannte Noa-Reben. Im Augenblick war ich bestürzt. Was ist das nun  für ein  Edelstein? Und da wurde mir bewußt, daß der Wein eine vollständige Welt ist und als vollständige Welt, wie beispielsweise auch die Frau, Platz hat und haben muss auch für das Böse, das Gemeine, die dunkle Hölle. Die Noa-Traube und die aus ihr gewonnene ätzende, stinkende, weinähnliche Flüssigkeit ist nichts anderes als der plumpe Versuch des Teufels, ebenfalls Wein herzustellen.“

 

Béla Hamvas: (1999) Philosophie des Weins. Grafing bei München: Edition Marika Marghescu

Mehr Informationen zu Biografie und Geschichte von Béla Hamvas (1897-1968)

http://www.philosophie.uni-mainz.de/blondel/B%E9la_Hamvas.htm

http://www.hamvaskarneval.mediatransform.de/index.html

 

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Ursprung

Der Ursprung ist das Dominierende, woraus sich alles weitere konstituiert und woraufhin sich wieder alles zubewegt. Der Ursprung ist nicht vergangen und abgeschlossen, sondern ständig aktuell im Ritual und wird dadurch erinnert. Das rhythmische Wiederholen und Begehen garantiert die Einheit von Vergangenheit und Gegenwart und initiiert im Ritual die Zukunft. Die Besinnung auf den Ursprung überwindet die lineare Zeitstruktur, wie sie in der Endlichkeit des einzelnen, menschlichen, biologischen Lebens vorgefunden wird.

Das Ursprungsmotiv schildert die Wurzeln der Herkunft, nämlich den letzten Grund. Im Gegensatz dazu bedeutet „Anfang“ ein Schaffen aus dem Nichts. Der Anfang ist grundlos, bodenlos, ein prospektiver Akt der Setzung.

Gesetzt wird hiermit der Anfang des Blogs, geborgen in der Einheit des Ursprungs.