Archiv der Kategorie: Leben

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Ich war unterwegs im eigenen Land

Das Land war wie ein fremdes Land

und doch war es mir ein vertrautes Land

Es war wie eine Rückkehr in das Land meiner Kindheit

Gepflegte Häuser und Gärten mit Obst und Gemüse

Weite ungestörte Landschaften und Plätze der Stille

Menschen, wo auch immer, einfach, freundlich mit Freude an der Arbeit und Stolz auf das Regionale

Da hatte ich auch wieder das Gefühl –

das ist mein Land

 

20160513_200747 kl

 

 

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Der Sauerteig, das Leben und der ganze Rest

Seit nunmehr zwei Wochen stand der Ansatz für den Sauerteig wohlbehütet in seiner Wärmequelle. Das Roggenmehl war mit lauwarmem Wasser angerührt worden. Liebevoll wurde jeden Tag etwas frisches Wasser und Mehl hinzugefügt, sorgfältig umgerührt und das Gefäß behutsam erneut in die Wärme geschoben. Dennoch lässt sich beim besten Willen dieses graue, saure und dünnflüssige Etwas nicht als Sauerteig bezeichnen. „Es funktioniert doch sonst auch immer so.“ Eine Stimmung der Verzweiflung beginnt sich auszubreiten. Was ist passiert?

Wer das Glück hat auf dem Dorf aufgewachsen zu sein, hat möglicherweise die natürlichen Jahresrhythmen noch kennen gelernt. Ich denke dabei nicht an die zyklisch wiederkehrenden Winzer-, Oktober- und sonst wie Massensauffeste, obwohl die durchaus noch letzte Relikt davon enthalten. Sondern gemeint sind die Prozesse von Pflügen, Säen, Wachsen und Ernten, dem Wechsel von hoher Energie und Aktivität zu Ruhe. Der Sauerteig braucht Energie, um die Lebensprozesse zu aktivieren und das Brot muss später ruhen, damit es Zeit hat Blasen zu entwickeln und aufzugehen. Offensichtlich lassen sich noch nicht alle Lebensprozesse mechanisch ersetzen. Selbst jenseits jeglicher Romantik existieren diese Vorgänge – auch wenn nicht mehr in Weidekörben und Hanfsäcken gesammelt wird, sondern die automatischen Vollernte-Maschinen über die Äcker rollen.

Das Erlebnis mit dem lieben Freund und wirklich hervorragenden Bäcker zeigt mir wieder einmal deutlich, die natürlichen Kräfte walten doch, ob wir sie bewusst wahrnehmen oder nicht, ob wir sie kennen oder nicht. So sehr wir uns auch anstrengen, die Natur und ihre Prozesse zu leugnen, zu verdrängen zu zerstören, so sehr wirken sie dennoch – auch hinein in ein entseeltes Wirtschaftssystem, in Werkhallen, in dauerbeleuchtete Städte und Büros.

In der Zeit vor Weihnachten sind die Tage kurz und die Nächte lang. Der Antrieb, neue Projekte zu beginnen gering und die Sehnsucht nach dem großen Ohrensessel am Kamin oder der Sauna mit Massage nimmt beständig zu. Ebenfalls zu nimmt die charakteristische Stimmung von gehetzt, übel gelaunt und missmutig; besonders von Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Kaufhäusern und ähnlichen menschlichen Begegnungsknotenpunkten. Schnell muss noch jeder Geschäftspartner gegrüßt, eine Adventsfeier organisiert werden und die Wohltätigkeitsveranstaltung wartet auch noch auf den Besuch, weil sich die Geldbörsen, an diesen Tagen besonders leicht und weit öffnen lassen.

Ganz dringend muss noch der Liebesbeweis für Weihnachten käuflich erstanden werden. Da greift man schon mal tief in die Tasche, um die Zeit, die man sich n i c h t genommen hat in Barem zurückzuzahlen.

Das ganze Jahr über lassen sich Nachlässigkeiten oder Fehler verzeihen, nicht so an Weihnachten – dem Fest der Liebe und des Friedens mit der höchsten Selbstmordrate und Rückfallquote bei Suchtkranken.

Es sind keine 100 Jahre her, dass sehr viel mehr Menschen in landwirtschaftlichen geschlossenen Ökosystemen lebten. Da wurde diese Jahreszeit ganz anders begangen:

Die Vegetationsperiode geht zu Ende, die Lebensenergie nimmt ab. Die Feldarbeiten sind abgeschlossen, das Schwein und die Gänse geschlachtet, die Bienenstöcke eingewintert, so dass die Keller und Vorratskammern für die Menschen gefüllt sind und genügend Futter für die überwinternden Nutztiere vorhanden ist. Jetzt werden die Werkzeuge und Gartengeräte überholt und die Wolle gesponnen und verarbeitet. Wenn die Weiden nicht bereits vollständig zu Körben verflochten sind, werden sie eingeweicht und verarbeitet. Man rückte wieder um den Herd zusammen. Befeuert war meist nur der in der Küche, der zum Zubereiten der Mahlzeiten, zum Erwärmen des Wassers und zum Konservieren der verschiedensten Lebensmittel verwendet wurde.

Jetzt wurde es früh dunkel und das Arbeiten bald eingestellt, weil künstliche Beleuchtung bares Geld kostete, das in diesen bäuerlichen Systemen rar war. Übrigens gab es im Hunsrück z. B. bis in die 1960er Jahre hinein eine funktionierende Tauschwirtschaft.

Die Adventszeit ist eine traditionelle Fastenzeit. Das Gebäck aus weißem Mehl mit Mandeln, Nüssen und Gewürzen kommt den Bedürfnissen nach geringerer körperlicher Belastung entgegen und liefert doch das notwendige Fett gegen die Kälte. Das Leben und die Aktivitäten in Natur nahen Lebenssystemen richten sich nach den äußeren Gegebenheiten und da wird alles ein bisschen langsamer.

Die Impulse sich zurückzuziehen und der altmodisch gewordene Begriff der „Besinnung“ gründen alle in demselben Phänomen:

Vom 21sten auf den 22sten Dezember steht die Sonne senkrecht über dem südlichen Wendekreis der anderen Erdhälfte. Auf der Nordkugel der Erde – also auch in unseren Breitengraden (50°) – ist Winter-Sonnwende. Dieser Zeitpunkt markiert den Beginn des astronomischen Winters. Zur Wintersonnenwende erreicht die Sonne im Jahreslauf ihren tiefsten Stand in Bezug auf den Meridiandurchgang. Jetzt folgt dem kürzesten Tag die längste Nacht, weil der größere Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizonts liegt.

Das Jahr und mit ihm das Licht stirbt in dieser Nacht.

In alten Erzählungen heißt es, die kosmischen Wirkungen brauchten zwei Tage bis sie auf die Erde treffen. Am 24sten Dezember also wird in der „Heiligen Nacht“ das Neue geboren. Die Kirchenväter haben offensichtlich geschickt agiert, in dem sie die Natursymbolik aufgegriffen haben und ihr die christliche Bedeutung gaben. Die Geburt des Christuskindes ist damit auch symbolisch eingebettet in den natürlichen Jahresrhythmus. Der Heiland, das Licht der Welt wird geboren, wenn die Nacht am längsten und am tiefsten ist.

Und wie das so ist mit Neugeborenen, sie sind sehr empfindlich. Deshalb hat man in der alten Zeit dieser empfindlichen Phase des Jahres, in der die kosmische Strahlung sehr hoch sein soll, einen Namen gegeben. Man nennt sie die „Rauhnächte“. Sie dauern bis zum 5. Januar und werden mit verschiedenen vorsorgenden Ritualen versehen. Eines davon ist das Räuchern. Das steckt in dem Namen mit drin. Es sind die Nächte, in denen geräuchert wird. Das Verbrennen verschiedener getrockneter Kräuter oder auch von Tannen hat eine reinigende und desinfizierende Wirkung und kommt auch dem Gemüt zugute. Außerdem sollte es böse Geister vertreiben, die in dieser Zeit bevorzugt durch die Luft schwirren. Danach, am 6. Januar, gehen die Sternsinger durch das Land und schließen die Reihe der heiligen Nächte und Tage ab.

Wo geräuchert wird ist es meist gemütlich. Licht von Bienenwachskerzen soll angeblich das Meditieren unterstützen. Vielleicht gelingt es ja in diesem Jahr, tief in der Stille die Ehrfurcht vor dem Leben zu spüren und zu begreifen, dass es ein Teil dessen ist, was in allen Religionen unter „heilig“ verstanden wird.

Wallis Islandpferdehof

Der Geruch war mir vertraut. Er weckte Erinnerungen an große Töpfe mit Pflaumenmus und frisch gebackenem Vollkornbrot. Bereits beim Überqueren der Schwelle des schönen alten niedersächsischen Bauernhauses wurde ich freundlich empfangen von einer heimeligen Atmosphäre, die mich überraschte. Der Duft von Holzfeuer hing in der Luft.

In der Nacht zu Allerheiligen, Samhain oder Halloween – die gegenwärtig populäre angloamerikanische Version dieses Jahreskreisfestes – beginnt die dunkle und kalte Zeit des Jahres. Wenn draußen die ersten anhaltenden Nebel ziehen, die kalte Feuchtigkeit in alle Poren kriecht, dann wird wieder spürbar, warum der Herd als der Mittelpunkt des Hauses und der Familie seit Menschengedenken seine heilige Bedeutung hat. Die Feuerstelle ist in allen Kulturen beseelt von Göttinnen, Schutzheiligen oder sonstigen transzendenten und mythischen Gestalten. Am heimischen Herd ist traditionell die Hausmacht der Frauen lokalisiert, den Hüterinnen des Herdfeuers und Beschützerinnen der Geschöpfe, die auf dem Anwesen leben und weben.

Hier in Fürstenau auf dem Islandpferdehof von Waltraud (Walli) Theismann ist der Holzherd in der Mitte der Küche nicht nur aussagekräftiges Symbol für ihr Wirken, sondern auch lebendiges Zentrum. Auf dem schönen, alten, emaillierten Eisenherd mit durchgängiger Eisenherdplatte und einer Feuerstelle mit herausnehmbaren Ringen kann direkt über dem Feuer gekocht werden. Verchromte Ränder an den Ofentürchen und dem Backofen, die umlaufende polierte Metallstange, ein auffallender, glänzender Wasserbehälter – das Wasserschiff zeichnen diesen Herd als besonderes Schmuckstück aus.

Er steht aber nicht nur zur Dekoration in der auch modernen Küche, sondern hier werden die Früchte des Jahres zu wunderbaren Marmeladen verarbeitet. Blaubeermarmelade, die Beeren in den angrenzenden Wäldern gepflückt – mein absoluter Favorit!

Über der Sitzbank hinter dem schweren Holztisch hängen an der Wand Tellerregale, in denen die irdenen Suppenteller aufgereiht stecken, damit der poröse Scherben nach dem Spülen austrocknen kann. Auf den rundum laufenden Regalbrettern stehen formschöne alte Tonkrüge dicht an dicht. In den unterschiedlichen Zimmern im Haus gibt es viele ausgefallene Naturholzschränke und -möbel. Den Wohnbereich nur als gemütlich zu bezeichnen, würde ihm nicht gerecht werden. Jedes Detail zeugt von der hingebungsvollen Liebe und Freude eines Ehepaares, das sich einen Traum erfüllte und sein Paradies gefunden hat.

Das Paradies auf Erden ist leider endlich und der Ehemann vor wenigen Jahren überraschend gestorben. Seitdem vermietet Walli Zimmer mit Frühstück an Feriengäste. In den traditionell freistehenden Ställen und Nebengebäuden der Bauernschaft am Hamberg gibt es auch Übernachtungsmöglichkeiten für vierbeinige Gäste: Pferde und Hunde sind willkommen.

Waltraud Theismann

Am Hamberg 22 ,

49584 Fürstenau

Tel.: 05901-4598

mobil: 0172-1595388

 http://wallis-islandpferdehof.de.tl/

Hier anschließend meine Eindrücke ausgedrückt in Aquarell.

 

 

Bei Walli 1, Aquarell 24 x 32cm
Bei Walli 1, Aquarell 24 x 32cm

 

 

Bei Walli 2, Aquarell 24 x 32 cm
Bei Walli 2, Aquarell 24 x 32 cm

 

 

 

Bei Walli 3, Aquarell 24 x 32 cm
Bei Walli 3, Aquarell 24 x 32 cm

 

 

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„Zeit für die Insel“

Kurze Auszeiten können sehr konstruktiv sein.

Ergebnisse eines spontanen Wochenendes in Niedersachsen und Holland.

 

 

Impressionen Schiermonnikoog I_V2
Impressionen Schiermonnikoog I , Aquarell, Original 24 x 32 cm
Impressionen Schiermonnikoog II_V2
Impressionen Schiermonnikoog II, Aquarell, Original 24 x 32 cm
Impressionen Schiermonnikoog III_V2
Impressionen Schiermonnikoog III, Aquarell, Original 24 x 32 cm
Impressionen Schiermonnikoog IV_V2
Impressionen Schiermonnikoog IV, Aquarell, Original 24 x 32 cm
Impressionen Schiermonnikoog V_V2
Impressionen Schiermonnikoog V, Aquarell, Original 24 x 32 cm

 

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Impuls[e] Ausstellung 2016

Nicht Shiva tanzt und es entsteht die Welt, nein der Wiener Kongress tanzte 1815 und wollte nach Waterloo und den napoleonischen Umbrüchen die Herrschaft der alten Monarchien wieder herstellen. „Rheinhessen“ wurde gegründet und unterstand dem Großherzogtum Hessen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rheinhessen von Hessen getrennt analog zu den Besatzungszonen und als Regierungsbezirk in die neu gestaltete Verwaltungseinheit „Rheinland-Pfalz“ integriert.

Sagte ich von Hessen getrennt? Nein! Einige widerspenstige Ansiedlungen haben sich dem widersetzt. Die rechtsrheinischen Stadtteile von Mainz: Amöneburg, Kastel, Kostheim, zählen zu Rheinhessen, obwohl gegenwärtig unter hessischer Verwaltung.

200 Jahre Rheinhessen also sollen nächstes Jahr jubiliert werden.

Dies ist der Anlass, dass das Moto der Ausstellung der Künstlergruppe Impuls[e] lautet:

Rheinhessische Impuls(e)

Die Impuls[e] eröffnen nun schon traditionell die Ausstellungssaison in der Galerie im Burggrafiat in Alzey.

Als überzeugte Wahlmainzerin bin ich seit einigen Jahren auf der „ebschen“ Seite gelandet. Man spöttelt hier gerne, welches die schöne, die richtige, die bessere Seite von Mainz ist, die links oder die rechts des Rheins, je nachdem von welcher Seite aus man es betrachtet, wechseln die Meinungen.

Auf alle Fälle ist die rechte, die romantischere Seite und der Natur ein ganzes Stück näher. Schön sind aber beide Seiten mit ihren unterschiedlichen Charakteren.

Was liegt für mich also näher als das Thema „Rhein-hessisch“ wörtlich zu nehmen und den Rhein von der hessischen Seite her zu betrachten.

Die Arbeiten haben begonnen.

 

Bildnerisches Gestalten

http://wp.me/P4PtCe-1u

18.01.2016      Rheinhessische Impuls(e)
Galerie im Burggraphiat, 55232 Alzey, Schlossgasse
Vernissage:     16.01.16, 18:00 Uhr
Finnisage:       14.02.16, 15:00 - 17:00 Uhr
http://www.alzey.de/de/kultur/galerie_im_burggrafiat/galerie.php

 

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Religion, Religionen, Religiosität

Die einen sagen: „Religion ist Opium für’s Volk“, die anderen „Religion ist Psycho-Hygiene“. Das eine klingt nach ziemlich benebelt und beschreibt eher das Gegenteil von dem, worum es geht und das andere nach „Vergiss nicht die Fußnägel zu reinigen“. Beides sind mit Sicherheit Phänomene, die im Zusammenhang mit dem Begriff ‚Religion‘ stehen und durchaus zurecht assoziiert werden. Religion ist eine der häufigsten Ursachen für Kriege. Religion ist selbst in unserer doch so modernen und globalisierten Welt offensichtlich ein brisantes Thema. Nur weil Missbrauch mit etwas getrieben wird, muss es noch lange nicht vom Ursprung her schlecht sein, unter Umständen gerade deshalb das Gegenteil.

Der Begriff ‚Religion‘ kennt keine exakte Definition.

Eine eindeutige Verwendung im deutschen Sprachgebrauch ist die Redewendung ‚die Religionen der Welt‘. Gemeint sind damit die Überbegriffe wie Christentum, Hinduismus, Islam. Wenn in der Schule ‚Religion‘ unterrichtet wird, ist der Unterricht geteilt nach Konfessionen. Es gibt in der Regel evangelische und katholische Religion und wenn da jemand nicht rein passt oder nicht rein will, gibt es ‚Ethik‘. Das Unterrichtsfach wird dann zu einem Sammelbecken unterschiedlichster Motive und hat die Aufgabe Richtlinien für soziales Verhalten zu vermitteln.

Das Wort ‚Religion‘ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet laut Duden: religio = Gottesfurcht, Herkunft ungeklärt; in der christlichen Theologie häufig gedeutet als (Zurück)bindung an Gott, zu lateinisch religare = zurückbinden

Etymologisch betrachtet gibt es drei Verben, auf die die Bedeutungen des Begriffs Religion „religio“ zurückgeführt werden:

  • relegere: wieder durchgehen, es bezieht sich auf die äußere Einhaltung der rituellen Pflichten im römischen Reich.

  • re-eligere: wieder wählen, erhält seine Bedeutung aus dem Einfluss des Christentums, durch die Erweiterung der kultischen Handlungen um den Aspekt einer personalen Beziehung zu Gott.

  • religare: rück-binden als eine Wiederherstellung des ursprünglichen Gottesverhältnisses nach dem Sündenfall.

Im wissenschaftlichen Diskurs ist die Betrachtungsweise „Religion als kulturelle Erscheinung bzw. als ein im Umkreis des menschlichen Geistes vorkommendes Phänomen“ zu sehen, die Basis für weitere Differenzierungen.[1] Als Zuständigkeit der Theologie kristallisieren sich „die Vorstellungen die Menschen über Gott entwickelt haben“[2] heraus. Vertreter der Religionssoziologie wie Durkheim, Weber oder Marett sehen die funktionale Aufgabe von Religion als emotionale und rationale Bewältigung von Krisensituationen bevorzugt in Gemeinschaft. ‚Krise‘ in diesem Zusammenhang meint sowohl die elementaren Themen wie Krankheit, Tod, und außeralltägliche, gefährliche, unerwartete oder übermächtige und übernatürliche bzw. transzendente menschliche Erfahrungsdimensionen.

„Was man gewöhnlich und im allgemeinen ‚Religion‘ nennt, ist zu einem so erstaunlichen Grade ein Ersatz, daß ich mich ernsthaft frage, ob diese Art von Religion, die ich lieber als Konfession bezeichnen möchte, nicht eine wichtige Funktion in der menschlichen Gesellschaft habe. Sie hat den offensichtlichen Zweck, unmittelbare Erfahrung zu ersetzen durch eine Auswahl passender Symbole, die in ein fest organisiertes Dogma und Ritual eingekleidet sind.“ [3]

„Konfessionen sind kodifizierte und dogmatisierte Formen ursprünglicher religiöser Erfahrungen. Die Inhalte der Erfahrung sind geheiligt und in der Regel starr geworden in einem unbeugsamen, oft komplizierten Gedankengebäude. Die Ausübung und Wiedererzeugung der ursprünglichen Erfahrung sind zum Ritus und zu einer unveränderlichen Institution geworden.“ [4]

In dem Text ‚Ein Tropfen aus der Verdammnis‘ schreibt Béla Hamvas[5]: “Ich bin nicht fromm, aber alle wichtigen Ereignisse waren religiös.“[6] „Das wovon wir reden und was wir versuchen wollen einigermaßen anzugeben, nämlich zu Gefühl zu bringen, lebt in allen Religionen als ihr eigentlich Innerstes ohne es wären Sie garnicht Religion.“[7] Rudolf Otto versucht in seinem Buch „Das Heilige“ eine sprachliche Annäherung an das eigentlich Innerste, das religiöse Gefühl. Auf Otto gehen grundlegende religionswissenschaftliche Begriffe wie das Numinose und das Kreaturgefühl zurück.

Carl Gustav Jung berichtet in seinen Publikationen und Vorträgen vielfältig aus seiner Arbeit, wobei deutlich wird, dass das Thema Religion eine existenziell anthropologische Kategorie ist, die in menschliche Tiefendimensionen reicht.

„In meinem Beruf bin ich einigen Menschen begegnet, welche solch eine unmittelbare [Anm.: religiöse] Erfahrung gehabt haben und sich der Autorität kirchlicher Entscheidung nicht unterwerfen wollten oder konnten. Ich mußte sie durch Krisen und leidenschaftliche Konflikte begleiten, durch die Angst vor dem Wahnsinn, durch verzweifelte Verwirrungen und Depressionen, die zugleich grotesk und furchtbar waren, so daß ich völlig überzeugt bin von der außerordentlichen Wichtigkeit des Dogmas und des Rituals zum mindesten als Methode geistiger Hygiene. Wenn der Patient ein praktizierender Katholik ist, rat ich ihm ohne Ausnahme zu beichten und zu kommunizieren, um sich vor der unmittelbaren Erfahrung zu schützen, die leicht zuviel für ihn werden könnte.“ [8] Religion ist die Frucht und der Höhepunkt der Vollständigkeit des Lebens, d.h. eines Lebens, welche beide Seiten [Anm. A.S.: bewusste sowie unbewusste Seite] enthält.“ [9]

Auch für Béla Hamvas ist es völlig klar: „Menschen ohne Religion gibt es nicht.“[10] Selbst die Atheisten gehören zu einer Religion, aber einer schlechten. Dazu an anderer Stelle vielleicht einmal mehr. Religion erweist sich für Hamvas nicht als ein Akt des Glaubens, sondern „ist eine existentielle Situation und zwar nicht die Lösung, sondern das Problem, oder was auf dasselbe hinausläuft: die dramatische Spannung zwischen dem, was Wirklichkeit und dem, was das Jenseits ist. Die religiöse Existenz ist nie das eine oder das andere, nie nur Realität von Geburt-Wachstum-Tod, die Welt des Entstehens-Vergehens, und nie nur Unsterblichkeit, Auferstehung, Unvergänglichkeit, Jenseits, sondern, stets beides zugleich. Ein religiöses Leben zu führen, bedeutet den Kampf zwischen der Wirklichkeit des Entstehens-Vergehens und der Leidenschaft des jenseitigen Lebens zu durchleben. Religiöse Existenz ist es, wenn sich die vergängliche Welt und die Unvergänglichkeit in jemanden gegenüberstehen und miteinander ringen […] Die religiöse Haltung entspringt also keinem Wissen um die Vergänglichkeit oder um die Unsterblichkeit, sondern der dramatischen Situation, die zwischen diesen beiden letzten Seinsmöglichkeiten entstanden ist.“[11]

 

 [1]  Heil, Joachim [2010] : Was ist „Religion“? Eine Einführung in unser wissenschaftliches Reden über Religion. In: Internationale Zeitschrift für Philosophie und Psychosomatik (IZPP)Ausgabe 1/2010, Themenschwerpunkt „Religion und Religiosität“. http://www.izpp.de/ausgabe_2-2010.html. 17.04.2015, 22:53

[2] Heil 2010, S. 3

[3] Jung, Carl Gustav (19624) [1937]: Psychologie und Religion: Terry Lectures 1937 gehalten an der Yale University, Zürich: Rascher Verlag, S.54

[4] Jung, Psychologie und Religion, S. 13

[5] Hamvas, Béla: [1999]: Philosophie des Weins. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki. Herausgegeben von Gerhard Wehr. Editio Marika Marghescu: Grafing

Aus dem was an biographischen Bruchstücken des ungarischen Schriftstellers und Philosophen noch zur Verfügung steht, geht hervor, dass er 1935 einen geistigen Zirkel gründete, dem zahlreiche Autoren und Philosophen angehörten. Es war der sogenannte Inselkreis, der bis 1939 existierte und insbesondere antikes Gedankengut erhalten und verbreiten wollte. Hamvas übersetzte zu dieser Zeit griechische Schriften. Karl Kerényi war ebenfalls Mitglied dieses Kreises und veröffentlichte gemeinsam mit C. G. Jung eine Einführung in das Wesen der Mythologie. Die Philosophie des Weins entstand 1945.

[6] Hamvas, Béla (1999) Ein Tropfen aus der Verdammnis in Silentium. Essays.Aus dem Ungarischen von Jörg Buschmann. Herausgegeben von Gerhard Wehr. Editio Marika Marghescu: Grafing. Auszüge aus den Seiten 64 – 67 .

Vgl. auch:

http://astridschollenberger.com/2015/02/24/fastenzeit/

[7] Otto, Rudolf [1917] (1947): Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen. 26. -28. Aufl. Gotha: Klotz Verlag, S. 6

[8] Jung, Psychologie und Religion

[9] Jung, Psychologie und Religion

[10] Hamvas Philosophie des Weins

[11] Béla Hamvas, Wissenschaftsreligion und Religionswissenschaft. In Ders.: Kierkegaard in Sizilien. Essays. Batterien, 76. Berlin: Matthes und Seitz, S. 39-54

 

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Persönlichkeitsentwicklung und Chakrensystem 1

Kundalini-Erweckung

Das Chakrensystem ist eine archetypische Vorstellung von individueller Reifung in der Abfolge von sieben ausgeprägten Phasen. Die Chakras sind vertikal angeordnet, verlaufen vom Ende der Wirbelsäule bis zum Scheitel und weisen darauf hin, dass wir die Möglichkeit besitzen zur Höherentwicklung und zur persönlichen Vervollkommnung, in dem wir unsere je eigenen, „jemeinigen“ Aufgaben in der materiellen Welt annehmen und lösen.

Siehe auch: http://astridschollenberger.com/2015/02/07/von-der-wissenschaft-und-den-chakren/

Die Religionen des Ostens stellen sich die Lebenskraft, Kundalini als eine heilige Schlange vor. In abendländischen Kulturen verwenden Mediziner und Pharmazeuten den Äskulapstab als Symbol für ihre Zunft ebenfalls. Also da, wo es um Heilung und Heilsein geht, ist auch hier das Symbol noch anwesend.

Die „Schlangenenergie“ ist besonders dann aktiv, wenn ein neuer Mensch gezeugt wird und begleitet ihn bei seiner Entwicklung während der Schwangerschaft. Danach rollt sie sich ruhend am Ende der Wirbelsäule, in der Nähe des Steißbeins ein.

Nun gibt es aber die Situation, dass das „heilige Tier“ wieder erweckt wird durch einen Impuls. Dann beginnt der komplizierte Aufstieg der Energie durch verschiedene Energiekanäle, sogenannte Nadis[1] schlängelnd entlang der Wirbelsäule, hoch über den Mittelpunkt des Kopfes – da wo bei Kindern die Fontanelle sitzt. Der Aufstieg der Kundalini wird im indischen Kontext als Aufwärtsbewegung der Shakti, der weiblichen Energie betrachtet. Sie verschmilzt auf dem höchsten Punkt mit der männlichen Energie, dem Shiva-Lingam, dem Wesenskern. Danach setzt sich die Bewegung von diesem Zentrum, dem Kronenchakra aus fort – vorne über die Stirn, zurück in den Brustkorb und endet im Herzchakra. Dabei werden alle Chakren aktiviert und der Energiekörper unaufhörlich gereinigt bis die Verschmelzung stattgefunden hat.[2]

Dieser Prozess ist nicht mehr umkehrbar!

Die Chakren werden gerne symbolisch als Lotosblumen beschrieben. Nach dem Abschluss des Initiationsprozesses beginnen sich die Blüten mehr oder weniger zu öffnen. Dies ist ein vollkommen individueller Prozess, der nicht zwingend oder in einer vorgegebenen Reihenfolge erfolgt, sondern ist abhängig von den persönlichen Entwicklungsschritten.

Jedes Chakra verkörpert eine spirituelle Lektion des Lebens bzw. eine Herausforderung, die allen Menschen gemeinsam ist. Wenn ein Mensch ein Chakra meistert, gewinnt er Kraft und Selbsterkenntnis, die in seinen Geist integriert werden und ihn auf dem Weg zu spirituellem Bewusstsein, auf der klassischen Reise des Helden, weiterführen.

[1] Nadi ist ein Begriff aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie Ader, Kanal
[2]  
!Achtung!
Es kann bei diesen Prozessen auch zu heftigen Reaktion und Komplikationen kommen, insbesondere, wenn der Impuls nicht durch einen Meister/eine Meisterin oder einen Guru initiiert wird, der auch wirklich eine/r ist. Auch Hatha-Yoga-Übungen die zunehmend als Gymnastikersatz angewendet werden, können zu spontan Initiationen führen. Vergleiche dazu: Brucker, Karin (2010): Die Urkraft Kundalini. Phänomene erkennen. Symptome deuten. Transformation meistern. München: O. W. Barth

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Die Farben des Lebens – Blau und Blau

Gestern hat es geschneit. Nicht so leise und rieselig wie im Lied, dafür war es zu warm. Die Schneeflocken waren nass und schwer und klebten – gerade gut für Schneebälle und Schneemänner. Sehr schnell hatte sich eine weiße Decke über die Landschaft gelegt und die Stimmung völlig verändert. Selbst Geräusche wurden gedämpft. Es wollte aber niemand so recht nach draußen, obwohl es der erste Schnee in diesem Winter war. Möglicherweise lag es ja an den Gänsebraten und Plätzchen der gerade abgeschlossenen Feiertage.

Später sank die Temperatur, die Flocken wurden feiner und streuten noch einen Schneehauch fein wie Puderzucker über das dichte Weiß.

Das Wasser im Fluss war sehr ruhig und wirkte annähernd einfarbig – nämlich grau. Dieses Grau war aber noch licht und leicht im Vergleich zu der schweren dunklen Himmelsfront, die sich vom Horizont aus nach oben erstreckte.

Ganz anders der heutige Morgen. Die weiter sinkende Kälte in der Nacht hatte eine gläserne Hülle über die Schneedecke gelegt. Die Sonne am späten Vormittag brachte jedes einzelne Schneekristall zum Glitzern. Herrliche Kontraste bildeten die eleganten dunklen Schatten der Platanenstämme auf den Gehwegen. Die Sonne war der Inbegriff gleisenden Lichts. Wen konnte es da noch in den Stuben halten?

In der Nähe gibt es einen kleinen Kiesstrand, da wo der Fluss durch die Aue in seiner Mitte geteilt wird. In der wilden Weidenlandschaft des Ufers haben die Winterarbeiten der Landschaftsgärtner einige Baumstümpfe hervorgebracht, die jetzt zum Hinsetzen einladen. Aus dieser Perspektive war ein beeindruckendes Farbenspiel der Natur zu beobachten:

Der Himmel erstrahlte in einem atemberaubenden, elementaren, reinen Azur. Der Fluss reflektierte das  Himmelblau auf seiner Wasseroberfläche in einem dunklen Nachtblau. Das Sonnenlicht streute funkelnde Diamanten über den Wasserspiegel, die wie Sterne am Nachthimmel glitzerten.

Nachtblau und Diamanten 3

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Der Titel dieses Beitrages geht auf eine Anregung in einem Blog zurück.