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Die Farben des Lebens – Grün

Die Wiesen standen hoch. Weißblühende Dolden von wilder Möhre und Fenchel tanzten federnd über dem satten Grün der Gräser, bewegt durch einen sommerlichen Wind. Irgendwo dazwischen wuchsen vereinzelt ein paar Schierlingspflanzen.

Oben, vom Felsen herab, hingen Ranken wilder Rosen mit zart rosa Blüten. Der Eingang der Höhle wurde von Brombeerhecken geschützt.

Ein schmaler Gang führte über Geröll tiefer in das Innere. Nachdem sich die Augen an das Dunkel gewöhnt hatten, ging es tastend, aber leicht gebückt gut voran. Es war zugig.

Als der Weg sich schließlich weitete, führte er in einen fast kreisrunden Raum. Ein tiefer Atemzug hob die Brust während der Nacken sich wieder entspannte. Das dämmrige Licht war heller als zuvor und die Luft roch frühlingshaft frisch wie nach einem Platzregen.

Gegenüber, wenige Schritte weiter, quoll Wasser aus der zerklüfteten Wand hervor und bildete ein dünnes Rinnsal. Es sammelte sich in einem kleinen natürlichen Becken. Dichte Polster aus Moos bedeckten die rund gewaschenen Steine.

Von einer Lichtquelle erhellt, schimmerte die Nische grün wie ein Smaragd.

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Der Titel dieses Beitrages geht auf eine Anregung in einem Blog zurück.

Bela Hamvas_Wein und Edelstein

Die wenigen ins Deutsche übersetzten Werke des ungarischen Philosophen und Schriftstellers Béla Hamvas sind voller Lebensweisheit, wunderschön, sinnlich,  hoch komplex, philosophisch und mythisch zugleich.  Dabei verwendet er eine einfache, direkte, humorvolle Sprache. Es gibt wenige Bücher, die ich nach Jahren aufschlage und sie haben die gleiche Faszination wie beim ersten Lesen. Mehr noch, neue Ebenen und Schichten treten zu Tage.

Ich habe erfahren, dass die Übersetzungsarbeiten an seinem großen Werk „Karneval“ immer noch voranschreiten. Es gibt nun mehr 1102  von insgesamt 1500 Seiten in deutscher Sprache. Dies nehme ich zum Anlass, ein paar seiner Gedanken vorzustellen:

aus „Philosophie des Weins“ geschrieben 1947

„Jetzt möchte ich über eine meiner schönsten Weinmeditationen sprechen. Es geschah in den Gärten von Berény. Vor einem Keller saß ich unter einem großen Nußbaum auf einer steinernen Bank und schaute auf den See.

[…]

An den Weinstöcken reiften bereits die Trauben. Hier Riesling. Dort Silvaner. Da Otello. Burgunder weiß wie Honig, Portugieser. Wie seltsam dachte ich da, daß all die vielen Inkognito-Erscheinungen das Eine sind, aber ihr Wert besteht gerade darin, daß eine jede unnachahmlich sie selbst und nichts anderes ist. Die Trauben und die Weine gleichen Edelsteinen. Sie sind Offenbarungen des einzigen Einen. Doch jede ist eine andere spirituelle Essenz des Einen. Ich begann, den Smaragd, den Rubin, den Topas, den Amethyst, den Karneol, den Diamanten mit den ihnen entsprechenden Weinen zu vergleichen, und ich leugne nicht, daß mir bei diesem Tun die Frauen außerordentlich hilfreich waren. Wie immer und bei allem, wenn ich über die grenzenlose Vielfalt der spirituellen Essenzen grübelte. Die Edelsteine sind nichts anderes  als  Frauen und Mädchen, Inkognito-Erscheinungen; von ihrer Schönheit bewahren sie sich nur diese eine Eigenschaft, den strahlenden Zauber. Aber der Zauber darf nicht im Sinn von Hokuspokus verstanden werden, sondern als natürliche Magie. „

[…]

Jeder Rausch hat seine Wurzel in der Liebe. Der Wein ist flüssige Liebe, der Edelstein ist kristallisierte Liebe, die Frau ist ein lebendiges Liebeswesen. Wenn ich noch die Blumen und die Musik hinzunehme, dann weiß ich, daß diese Liebe in Farben strahlt und singt und duftet und lebt und dass ich sie essen und trinken kann.

Die Alchimisten sagen, der Edelstein  sei nichts anderes als ein reines Geistwesen, das in der ursprünglichen Schöpfung lebte als ein Engel, aber als der Mensch in Sünde verfiel, riß er ihn mit sich in die Materie. Er wurde zu Stein. doch seine strahlende Reinheit behielt er auch als Stein. Diese Theorie deckt sich mit der meinigen, daß in den Weinen und Trauben eigentlich spirituelle Öle stecken, die Genien sind.

So saß ich meditierend in den Gärten von Berény, und als ich mich beim Sonnenuntergang auf den Heimweg machte, gelang es mir, den fruchtbaren Nachmittag mit einer fröhlichen Pointe zu beschließen. Am Weg erblickte ich sogenannte Noa-Reben. Im Augenblick war ich bestürzt. Was ist das nun  für ein  Edelstein? Und da wurde mir bewußt, daß der Wein eine vollständige Welt ist und als vollständige Welt, wie beispielsweise auch die Frau, Platz hat und haben muss auch für das Böse, das Gemeine, die dunkle Hölle. Die Noa-Traube und die aus ihr gewonnene ätzende, stinkende, weinähnliche Flüssigkeit ist nichts anderes als der plumpe Versuch des Teufels, ebenfalls Wein herzustellen.“

 

Béla Hamvas: (1999) Philosophie des Weins. Grafing bei München: Edition Marika Marghescu

Mehr Informationen zu Biografie und Geschichte von Béla Hamvas (1897-1968)

http://www.philosophie.uni-mainz.de/blondel/B%E9la_Hamvas.htm

http://www.hamvaskarneval.mediatransform.de/index.html

 

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